Zweisprachiger Gottesdienst 30.10.2011

Predigt

Jesus erzählt das Gleichnis von der königlichen Hochzeit
Es steht im Mat­thäus­evangelium, Kapitel 22, 1-14:

Jesus erzählte ein weiteres Gleichnis: Das Himmelreich gleicht einem König, der für seinen Sohn das Hochzeitsfest veranstaltete. Er schickte seine Diener los. Sie sollten die Gäste holen, die zur Hochzeit eingeladen waren. Aber sie wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal andere Knechte los. Sie sollten den Eingeladenen sagen: ‚Seht doch: Ich habe mein Festessen vorbereitet. Meine Ochsen und Mastkälber sind geschlachtet. Alles ist bereit. Kommt doch zum Hochzeitsfest!’ Aber die Eingeladenen kümmerten sich nicht darum, sondern gingen ihrer Arbeit nach: der eine auf seinem Acker, der andere in seinem Laden. Manche packten sogar die Knechte, misshandelten und töteten sie. Da wurde der König zornig. Er schickte seine Soldaten. Die Mörder ließ er umbringen und ihre Stadt niederbrennen. Dann befahl er seinen Knechten:‚Das Hochzeitsfest ist zwar vorbereitet, aber die Eingeladenen waren es nicht wert, daran teilzunehmen.Geht hinaus bis ans Ende der Stadt.Ladet alle Menschen zum Hochzeitsfest ein, die euch begegnen.’Und die Knechte gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle mit, die sie dort fanden: Böse wie Gute.Und der Hochzeitssaal wurde voll mit Gästen.Der König kam in den Festsaal, um sich die Gäste anzusehen.Da sah er einen Mann, der nicht für eine Hochzeit gekleidet war.Der König sagte zu ihm:‚Freund, wie bist du hier hereingekommen?Du bist ja gar nicht für eine Hochzeit angezogen!’Der aber schwieg.Da befahl der König den Dienern:‚Fesselt ihn an Händen und Füßen und werft ihn hinaus in die Finsternis!Dort gibt es nur Heulen und Zähneklappern!“Denn es gilt:Viele sind berufen, aber nur wenig sind ausgewählt.“

                      (Matthäus 22,1-14, Übersetzung: Basisbibel)

PREDIGT, I. Teil

Liebe Brüder und Schwestern!

Und Sie?

Hätten Sie die Einladung angenommen?

Wäre es für Sie eine Ehre, dabei zu sein – beim Fest?

 

In seinem Gleichnis vom Himmelreich erzählt Jesus von der Hochzeit an einem Königshof.

Und es ist wie oft bei seinen Gleichnissen:

Jesus knüpft bei dem an, was seine Zuhörerinnen und Zuhörer kennen.

Dann nimmt diese Geschichte eine unerwartete Wendung.

Die, die Jesus lauschen, stutzen – und ahnen:

Jesus meint mich und mein Verhältnis zu Gott …

 

Ein König also, beginnt Jesus, richtet für seinen Sohn die Hochzeit aus.

Großzügig lädt er ein.

Doch das Unfassbare geschieht:

Keiner interessiert sich dafür, keiner will kommen.

 

Der König gibt nicht gleich auf.

Als schon alles gerichtet ist, schickt er erneut Boten los.

„Kommt zur Hochzeit“, lässt ihnen der König ausrichten.

„Es ist alles bereit.“

Doch auch diesmal gehen andere Dinge vor.

Niemand lässt sich aus seinen Alltagsgeschäften reißen.

Ja, noch ungeheuerlicher: die Königsboten werden ergriffen, verhöhnt und sogar getötet.

 

Eigentlich unvorstellbar ist, was Jesus hier erzählt.

Die Einladung eines Königs auszuschlagen bedeutet, seine Macht und Ehre mit Füßen zu treten.

Der König reagiert, wie ein Herrscher damals reagiert hätte.

Er schickt seine Soldaten los und lässt die respektlosen Eingeladenen gnadenlos bestrafen.

„Recht hat er“, mögen Jesu Zuhörer genickt haben.

 

Doch Jesus ist mit seinem Gleichnis noch nicht fertig:

Nun lässt der König alle einladen, denen die Boten begegnen.

Und so füllt sich der festlich geschmückte Saal mit

  • mit Menschen von der Straße
  • mit Bösewichtern und ehrenwerten Leuten
  • mit Menschen, denen das Leben viel abverlangt hat
  • und solchen, die leichtfertig durchs Leben gehen
  • mit Menschen wie du und ich, die ihre Lasten tragen …

 „… und die Tische wurden alle voll“, stellt Jesus fest.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Was ist das für ein König, der mit Leuten von der Straße  Hochzeit feiert!

Aber warum überprüft er, ob alle das nötige Festkleid haben?

 

Zur Zeit Jesu wurde jedem Gast beim Eintritt in den Festsaal  ein Festgewand überreicht, das er über seine Kleider anzog.

Wer also dieses Kleid achtlos liegen ließ, stieß seinen Gastgeber vor den Kopf.

 

Darum lässt der König in Jesu Gleichnis den, der sein Geschenk verachtet, „in die Finsternis hinaus“ werfen.

 

In Unruhe, in heilsame Unruhe will Jesus uns mit seinem Gleichnis versetzen.

Er mutet uns einen ungeheuren Gegensatz zu:

Auf der einen Seite machte er uns den Mund wässrig:

„Stell dir vor, du gehörst zu den Geladenen, hast Anteil an der Pracht im Königspalast!

Selbst für dein Kleid ist bereits gesorgt.“

Auf der anderen Seite warnt er uns, den Fehler der Geladenen im Gleichnis zu begehen:

„Schlag die Einladung nicht aus!

Lass das Festgewand nicht unbeachtet liegen!“

 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Gott meint es ernst, ganz ernst mit seiner Einladung, zu ihm zu kommen, mitzufeiern, teilzuhaben an seiner Herrlichkeit.

Darum wird in der Bibel das Himmelreich immer wieder mit einer Hochzeit verglichen.

 

Dabei zu sein, mitzufeiern, sich mitzufreuen – darum geht es.

Seit er die Welt erschaffen hat, wirbt Gott um uns Menschen.

Jesus lebt für den Auftrag, die Einladung des Vaters im Himmel an uns laut werden zu lassen.

Er sagt zum Beispiel:

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Was kann uns Besseres passieren,

  • als bei ihm unsere Lasten los zu werden,
  • erquickt und mit neuem Mut erfüllt zu werden
  • Flügel verliehen zu bekommen für all das, was unseren Alltag oft mühselig macht!

 

Jesus lädt die Menschen zu sich, in die Nähe Gottes ein.

Die, die sich einladen lassen, werden verändert.

Einer davon ist Zachäus.

Er hat seine Mitmenschen, wo es ging, betrogen und über den Tisch gezogen.

Ausgerechnet bei ihm lädt sich Jesus ein.

Und auf einmal gehen Zachäus die Augen auf:

„Nicht Geld, Macht und Einfluss lassen mein Leben gelingen.

Die Freude, dass Gott mich liebt, gibt meinem Leben Sinn.“

Zachäus zieht das Festkleid an, das Jesus ihm reicht – und wird ein neuer Mensch.

 

Gott lädt uns ein.

Er ruft jeden zu sich, ausnahmslos jeden.

Keiner ist von seiner Liebe ausgenommen – Sie nicht und ich nicht.

 

Und? Nehmen wir seine Einladung an?

Was wir uns bei Menschen nie erlauben würden, das erlauben sich etliche bei Gott.

Er hat jedem Menschen seine Einladung persönlich zukommen lassen: durch Jesus, seinen Sohn.

Er hat sie uns allen in seinem Liebesbrief zugestellt, in der Bibel.

 

Der Herr der Welt wartet auf uns.

Und trotzdem sagen manche – oder sind es manchmal nicht auch wir selbst?

  • „Ich hab’ keine Zeit!“
  • „Ich hab’ kein Interesse!“
  • „Ich hab’ zu tun – ein andermal vielleicht.“

 

So unmöglich gehen wir Menschen mit dem himmlischen Gastgeber um.

  • Einer geht auf die Baustelle.
  • Ein anderer muss ins Geschäft.
  • Die dritte setzt alle Energie in ihr Hobby.

Auf den ersten Blick klingt das ja ehrenwert.

Keiner ist faul.

Jeder hat zu tun.

Aber die Grundeinstellung, die dahinter steckt, ist falsch:

„Gott, du bist mir nicht wichtig.

Also lass mich bitte in Ruhe.

Du, Gott, kommst dran, wenn ich zuvor alles andere in meinem Leben erledigt und erlebt habe.“

 

Viele Menschen haben nichts gegen Gott, aber sie haben auch kein Interesse an ihm.

Es mag ihn zwar geben, aber seiner Einladung wollen sie nicht folgen.

 

Wie kann das anders werden?

Zuerst geht es darum, uns selbst einladen zu lassen.

Gott will uns eine Freude machen.

Er will uns beschenken.

Er will uns bei seinem Fest an seinem Tisch, ganz in seiner Nähe haben.

 

Und dann geht es darum, diese Einladung weiter zu sagen.

Die Einladung Gottes an uns gilt jedem.

Keiner muss bei Gott eine Aufnahmeprüfung ablegen.

Keiner muss besondere Qualitäten vorweisen.

Gott schaut nicht darauf, was wir darstellen.

Er fragt auch nicht danach, was wir angestellt haben.

 

Gott interessiert nur eins:

Dass wir diese Einladung zum Leben mit ihm nicht verstreichen lassen.

Wir dürfen nicht warten, bis alle unsere anderen Geschäfte erledigt sind.

Wir sollen nicht warten, bis wir alles verstanden haben.

Wir sind jetzt eingeladen.

Gott erwartet uns, er wartet auf Sie und auf mich – jetzt.

 

Gott verlangt von niemand, dass er bereits in neuen Kleidern kommt.

Wir sollen kommen wie wir sind, mit unseren, oft beschmutzten Alltagskleidern.

Wenn wir bei ihm eintreten, dann hält er für uns das Festgewand bereit: für Sie, für mich und für die Menschen, denen wir davon erzählen.

 

Gott will uns ändern.

Er will uns helfen, falsche Lebensgewohnheiten abzulegen.

Er will unsere Sünden überdecken, vergeben.

Das ist mit dem neuen Gewand gemeint.

 

Wir lassen es unbeachtet liegen, wenn es uns an der Bereitschaft fehlt, uns verändern zu lassen.

Unser Leben, unser Denken, unser Handeln, unser Herz soll an Jesus Christus gebunden sein.

Gott will an uns arbeiten, damit wir uns benehmen wie seine Kinder.

Dann spiegelt unser Verhalten etwas von seinem Glanz, dem Glanz des Gastgebers wider.

Wahrheit, Versöhnung, freundliche Worte sind Fäden des Festgewandes, das seit der Taufe für uns bereit liegt.

Wir tragen es und spüren, dass uns Gottes Liebe umhüllt.

Sie hilft uns, an Wort Gottes festzuhalten und zu leben, wie Gott es will.

 

Das Jesus-Festgewand entspricht dem Maß Gottes.

Es macht aus uns Leute, die Gott gefallen.

Wenn wir jedoch unsere alten Kleider tragen, dann treten wir Gottes Liebe mit Füßen.

 

Der Mann ohne Hochzeitskleid im Gleichnis also steht für Menschen, die Glauben wollen, aber ohne Veränderung.

Er steht für die Menschen, die Gottes Wort hören, aber dann mit der Schulter zucken, weggehen und denken:

„Geht mich nichts an!“

Dieser eine Gast wird am Ende hinausgeworfen.

Er passt nicht zum Fest.

Gott nimmt uns ernst, er nimmt auch die ernst, die seine Festordnung ablehnen.

 

Und? Nehmen wir seine Einladung an?

Dann dürfen wir eintreten, mitfeiern, uns sein Festgewand anlegen lassen – und sagen:

Ja, ich will dabei sein.

Ich komme.

Erfülle mein Leben mit deiner Freude und deinem Frieden.

Verändere du mich!

Amen.

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